Rezensionen und Fachartikel


Auf dieser Seite finden Sie meine Besprechungen zu ausgewählten Neuerscheinungen der österreichischen und mitteleuropäischen Zeitgeschichtsforschung.


Die schwierige Geschichte der Kindertransporte 1938/39 nach Großbritannien. 
Andrea Hammel
Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Leipzig, 2026
183 Seiten

Die jüdischen Kinder, die mit Hilfe der Kindertransporte 1938/39 nach Großbritannien gerettet werden konnten, sind im Vergleich zu anderen Überlebendengruppen der Shoah erst spät ins Zentrum der historischen und erinnerungskulturellen Aufmerksamkeit gerückt. Bis weit in die 1980er Jahre hinein dominierte der Blick auf ihr „Überleben“; im Vordergrund standen die Rettungserfahrung und der Mythos, Großbritannien habe diesen Kindern großzügig das Leben gesichert. Diese Perspektive ist auf der Faktenebene nicht falsch, blendet jedoch zentrale Fragen aus: unter welchen Bedingungen dieses Überleben organisiert wurde, welche Kosten es für die Kinder hatte und warum es so selbstverständlich schien, sie ohne ihre Eltern in Sicherheit zu bringen. Gerade diese Fragen wurden lange kaum gestellt.


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Exil. Geschichte einer Vertreibung 1933-1945
Wolfgang Benz
Verlag C.H.Beck, München 2025
407 Seiten

Wolfgang Benz’ Studie „Exil. Geschichte einer Vertreibung 1933–1945“ ist kein Pionierwerk im engeren Sinn, sondern das späte Resümee eines Historikers, der die Erforschung von Flucht und Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland seit Jahrzehnten mitprägt. In einer Situation, in der Exil in der Forschung etabliert ist, in der öffentlichen Erinnerung aber weiterhin stark auf einige prominente Intellektuellenbiografien fokussiert wird, zielt Benz darauf, Exil als Massenphänomen neu zu vermessen. Seine Darstellung verschränkt bekannte Namen wie Thomas Mann, Hannah Arendt oder Albert Einstein mit Biografien von Exilierten, deren Lebenserfahrungen sich nur in verstreuten Dokumenten und Erinnerungen nachzeichnen lassen. Gerade diese bewusste Gleichzeitigkeit von „berühmten“ und „fast unsichtbaren“ Exilant:innen, die Benz über Kapitel zu Kindertransporten, zu unterschiedlichen Orten des Exils und schließlich zur Frage „Wann endet das Exil?“ entfaltet, macht das Buch aus zeithistorischer Perspektive zu einer späten, aber sehr dichten Synthese. Exil erscheint hier nicht als Randnotiz der NS-Verfolgung, sondern als integraler Bestandteil eines Gewaltregimes, das Menschen aus ihren Biografien, ihren Räumen und ihren Sprachen treibt.



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Die Buchhandlung der Exilanten. Paris 1940 – Zuflucht und Widerstand
Uwe Neumahr
C.H. Beck, München 2026
320 Seiten

ISBN 978-3-406-84494-2


In der Rue de l’Odéon in Paris kreuzen sich in der Zwischenkriegszeit die Wege der Moderne. Zwei Buchhandlungen – La Maison des Amis des Livres und Shakespeare and Company – sind mehr als Geschäfte: Sie sind die Lebensentwürfe zweier Frauen, Adrienne Monnier und Sylvia Beach, und der Schauplatz von Uwe Neumahrs Buch Die Buchhandlung der Exilanten. Paris 1940 – Zuflucht und Widerstand. Es erzählt, wie aus diesem literarischen Mikrokosmos eine Bühne von Verfolgung, Rettung und Ambivalenz wird.


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EDITION HORTENSIA  
Zeitgeschichtliche Forschung und Literatur